Vier Fragen zur Gründung der Günter Berg Literary Agency GmbH & Co. KG im Frühjahr 2014

Frage: Sie haben in den letzten 25 Jahren in den renommiertesten Verlagshäusern der Republik gearbeitet, bei Suhrkamp und INSEL in Frankfurt, dann fast 10 Jahre bei Hoffmann und Campe in Hamburg. Sie haben ein sehr enges Verhältnis zu vielen wichtigen und erfolgreichen Autoren aufgebaut. Warum haben Sie eine Agentur und nicht etwa einen neuen Verlag gegründet?

Günter Berg: Die Verlagsbranche hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert, und sie wird sich weiter verändern! Auf die enormen Konzentrationsprozesse bei den Verlagen (nur noch wenige Große spielen eine Rolle: Bertelsmann/Random House, Holtzbrinck und die schwedische Bonnier-Gruppe) folgte eine erbarmungslose Konzentration im Buchhandel: Ketten wie Thalia, Hugendubel oder Weltbild wuchsen rasant und verdrängten vielerorts die kleinen Buchhändler. Große Verlage kooperieren offenbar lieber mit großen Buchhändlern und veränderten dadurch die Usancen einer ganzen Branche. Nur zeigte sich rasch, dass viel zu große Flächen und optimistisch geplante Ladenkonzepte die Erlöserwartungen nicht erfüllen konnten. Thalia geriet in Turbulenzen, am 12. Januar dieses Jahres meldete Weltbild in Augsburg Insolvenz an. Profiteur ist einzig und allein Amazon; der Internetversender mit seiner „Kundennähe“ und dienstleistungsorientierten Politik diktiert die Konditionen einer ganzen Branche, ist bei der Distribution von sog. „eBooks“ Amazon nahezu Monopolist.

Und aus diesen Gründen wollen Sie keinen Verlag gründen?

Sozusagen.
Autoren und ihre Texte sind nach wie vor die einzigen „Rohstoffe“ für das Verlagsgewerbe. Um seine Autoren muss sich kümmern, wer mit Büchern oder auch journalistischen Texten Geschäfte, wer mit Inhalten oder dem vielbeschworenen „Content“ Erfolg haben möchte. In den Medienunternehmen spart man in diesen Tagen eigenartigerweise zuerst an den Inhalten und deren „Schöpfern“. Und hier setze ich an: Es wird selbst großen Autoren und ihren Werken zunehmend weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Die Geschäftsführungen der Verlagshäuser sind abgelenkt durch die Erfindung immer neuer (digitaler) Geschäfts- und Vertriebsmodelle, auf deren technische Basis und globale Weiterentwicklung (durch Google, Apple, Amazon und Co.) sie paradoxerweise gar keinen Einfluss haben. Autoren brauchen Aufmerksamkeit und kompetente Hilfe, um ihrer Hauptarbeit, dem Schreiben, nachgehen zu können, und sich gleichzeitig vertrauensvoll betreut zu sehen in allen ökonomischen- und Vertragsbelangen.

Also gründen Sie eine klassische Autorenagentur, wie sie in vielen anderen Ländern ja lange Traditionen haben.

Genau. Was fehlt, ist eine wirkliche Autorenagentur: Ein Agent kümmert sich um eine Autorin oder einen Autor „vollumfänglich“, ist also nicht nur Verkäufer eines neuen Verlagsrechts an ein Medienunternehmen, sondern Begleiter des Autors während des Entstehungsprozesses eines Buchs und auch noch danach! Der Agent hat hier eine klassische Mittlerfunktion: er kennt den Markt, die Branche, das Geschäft sozusagen und er kennt seinen Autor, kann einschätzen, was er kann (und ggf. was nicht)! Und im besten Fall betreut er das Gesamtwerk eines Autors, weil er es inhaltlich und wirtschaftlich am besten kennt!

Gibt es denn schon Autorinnen oder Autoren, die sich Ihnen anvertraut haben? Können Sie darüber schon sprechen?

Ja, sicher! Gerne sogar: denn es sind ja Autoren wie Siegfried Lenz, mit dem mich neben 10 Jahren erfolgreicher Arbeit eine wirkliche Freundschaft verbindet, oder Michael Gorbatschow, der mich gebeten hat, auch sein neues Buch international zu vertreten. Es sind diese Menschen, die mich überzeugt haben, an ihrer Seite zu bleiben. In einer neuen Rolle, aber mit dem vertrauten Gefühl der Verbundenheit zu ihrer literarischen Arbeit. Junge Autoren haben auch schon angeklopft; übers Jahr wird hier was Spannendes wachsen.

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