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Günter Berg

Mich hat kaum etwas mehr interessiert als die Art, wie sich Welt in Literatur offenbart. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher Zeit eine Geschichte stammt, aus welcher Sprache ein Text übersetzt wurde, ob es ein komplexer Roman, eine knappe Erzählung oder ob es ein Gedicht, vielleicht auch ein Songtext mit wenigen Zeilen ist, der sich unauslöschlich ins Hirn brennt. Klar: Jede Generation hat ihre eigenen Autorinnen und Autoren, bringt Ihre eigenen Bücher hervor. Die Sprache mag sich ändern und anpassen, Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit werden andere Bücher hervorbringen als Sicherheit und Wohlstand.

Und doch sind Bücher, wenn sie herausragend sind, nie allein ein Spiegel der Zeit, in der sie geschrieben wurden. Bücher sind, in jedem Wortsinn, überaus haltbar. Texte erzeugen Stimmungen, ein paar wiedergelesene Zeilen können ein tief empfundenes Gefühl zurückrufen. Manche Bücher werden im Laufe der Zeit zu verlässlichen Begleitern des eigenen Lebens. Weil sie etwas haben, das schnell zu spüren und gar nicht leicht zu erklären ist.

Mit nicht nachlassender Neugier lese und prüfe ich Texte und bin glücklich, wenn ich etwas ganz Besonderes entdecke und es mir gelingt, das zu benennen und den Kolleginnen und Kollegen in den wunderbaren Verlagen dieses Landes zu vermitteln.

Franziska Tometschek

In der Gegenwartsliteratur suche ich Geschichten, die den Zeitgeist genau treffen (Fische – Melissa Broder), Geschichten, die Hoffnung spenden (Zami – Audre Lorde), Geschichten, die uns die Welt von einer neuen Seite zeigen und marginalisierte Stimmen in den Vordergrund stellen (Detransition, Baby – Torrey Peters), Geschichten mit Antiheldinnen und facettenreichen Figuren mit Ecken und Kanten (Boy Parts – Eliza Clark), Geschichten über Machtstrukturen und Selbstermächtigung (Die große Stille – NK Jemisin), Geschichten über generationsübergreifende Traumata und komplizierte Familiendynamiken (Auf Erden sind wir kurz grandios  Ocean Vuong, Dschinns – Fatma Ayedmir), Geschichten über Sprache und Sprachlosigkeit (Wenn ich euch verraten könnte – Lea Draeger) und wütende Geschichten, die schonungslos und genau erzählt werden.

Sehr gerne lese ich ungewöhnliche Coming-of-Age Geschichten, anspruchsvolle Liebesgeschichten mit unerwarteten Wendungen, LGBTQ-Romance und New Adult fernab von Klischees und Konvention (One Last Stop – Casey McQuiston). Darin Hauptfiguren mit vielfältigen Hintergründen, tiefenpsychologisch gut durchdacht. Cosy rom-coms oder historische Liebesromane ohne Jungfrau in Nöten (Reputation – Lex Croucher). Slow burns. Found family.

Außerdem: Einzigartige Erzählerstimmen, außergewöhnlicher oder experimenteller Stil (Ali Smith, Miranda July), „So etwas hast du noch nie gelesen“-Qualität.

Sachbücher gerne zu Zeitgeschehen mit Themen wie sex/gender (Das Recht auf Sex – Amia Srinivasan, Ein Apartment auf dem Uranus – Paul B. Preciado), race/xenophobia (Eure Heimat ist unser Albtraum), disability etc. – am liebsten mit Deutschlandbezug. Sehr gerne lese ich außerdem erzählende Sachbücher (Joan Didion).

Andere Lieblingsbücher: Hitze – Raven Leilani, Die Wurzeln des Lebens – Richard Powers, Mister Weniger – Andrew Sean Greer, Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid – Alena Schröder, Kim Jiyoung, geboren 1982 – Choo Nam-Joo, Tausend strahlende Sonnen – Khaled Hosseini, Alles, was wir geben mussten – Kazuo Ishiguro, The Lonely City – Olivia Laing

Andere Lieblingsautor:innen: Sally Rooney, Margaret Atwood, Monika Helfer, Ottessa Moshfegh, Eva Menasse, Sharon Dodua Otoo, Hengameh Yaghoobifarah, Neil Gaiman, Madeline Miller, Donna Tartt, Taylor Jenkins Reid, Britt Bennett, Pascal Mercier, Carmen Maria Machado

Katharina Muders

Foreign Rights / Translation Rights

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